Manchmal zeigt sich erst dann, wenn es wirklich darauf ankommt, wie viele VerÂbinÂdunÂgen ein Mensch im Laufe seines Lebens geschafÂfen hat.
Im Hospiz Zum Guten Hirten erleben wir immer wieder, wie unterÂschiedÂlich die letzten LebensÂwege unserer GĂ€ste aussehen. Manche werden von Familie begleitet, andere von FreunÂdinÂnen und Freunden und manchmal entsteht UnterÂstĂŒtÂzung dort, wo wir sie zunĂ€chst gar nicht vermuten.
Die Geschichte von Herrn W. hat uns besonders berĂŒhrt. Sie erzĂ€hlt davon, was GemeinÂschaft bedeuten kann, wenn Menschen VerÂantÂworÂtung fĂŒrÂeinÂanÂder ĂŒberÂnehÂmen freiÂwilÂlig, selbstÂverÂstĂ€ndÂlich und ohne groĂe Worte.
Die Geschichte von Herrn W.
Herr W. kam alleine und bereits in einem sehr fortÂgeÂschritÂteÂnen Stadium der ErkranÂkung zu uns. Das Sprechen fiel ihm schwer und er war zeitweise nicht mehr oriÂenÂtiert. Er habe 10 GeschwisÂter, aber zu keinem mehr Kontakt. Er sei sozusagen das âschwarze Schaf der Familieâ. Auch sonstige Verwandte gĂ€be es nicht.
Sein Zustand lieĂ erahnen, dass ihm das Leben nicht immer gut mitÂgeÂspielt hatte und mit Anfang 60 hĂ€tte er eigentÂlich noch einige Zeit vor sich gehabt.
Im Hospiz stellt sich schnell die Frage, welche VollÂmachÂten gibt es? Wer darf mediÂziÂniÂsche Belange entÂscheiÂden, wenn es der Gast nicht mehr kann und es offenÂsichtÂlich kein Umfeld gibt? Sofort waren wir in AlarmÂbeÂreitÂschaft und die TeleÂfonÂnumÂmer des BetreuÂungsÂgeÂrichÂtes wurde herÂausÂgeÂsucht. Doch plötzlich klingelte das Telefon und es meldete sich eine Nachbarin bei uns. Sie habe eine VorÂsorÂgeÂvollÂmacht und alle Papiere fĂŒr Herrn W. und kĂ€me am NachÂmitÂtag vorbei. Und wer wĂŒrde sich um die BestatÂtung kĂŒmmern, wenn es soweit sein wĂŒrde?
Ob es das Sozialamt ĂŒberÂnehÂmen sollte, fragten wir. âAch, das kriegen wir schon hin.â Nun ja, dachten wir ĂŒberÂrascht und waren etwas skeptisch. SchlieĂÂlich ist der KosÂtenÂfakÂtor bei einer BestatÂtung nicht ganz unerÂhebÂlich. Doch es sollte nicht die letzte ĂberÂraÂschung in diesen zwei Tagen AufÂentÂhalt bei uns bleiben. Kurze Zeit spĂ€ter rief die GemeinÂdeÂpasÂtoÂrin an, um sich nach Herrn W. zu erkunÂdiÂgen. Er habe JahrÂzehnte ehrenÂamtÂlich den GemeinÂdeÂbrief ausÂgeÂtraÂgen. Bei Wind und Wetter.
Ob sie etwas fĂŒr ihn tun könne. Er lĂ€ge ihr doch sehr am Herzen. Auch der OrtsÂvorÂsteÂher meldetet sich bei uns und auch berichÂtete davon, wie einÂgeÂbunÂden Herr W. in das Dorfleben sei. Ja, dem Alkohol habe er wohl manchmal zugeÂsproÂchen, aber er sei eben ein âOriginalâ und immer hilfsÂbeÂreit und fleiĂig. Plötzlich zeigte sich, welch ein Netzwerk Herr W. wĂ€hrend seines Lebens um sich herum gesponnen hatte. Keines aus Mitleid, sondern eines aus WertÂschĂ€tÂzung und Freundschaft.
Bereits zwei Tage nach seiner Aufnahme in unser Haus, verstarb Herr W. und es war tatÂsĂ€chÂlich alles geregelt. Das Netz trug. Nicht nur orgaÂniÂsaÂtoÂrisch, auch emotional. Herr W. bekam eine wĂŒrÂdeÂvolle BestatÂtung, alle perÂsönÂliÂchen GegenÂstĂ€nde wurden abgeholt und am Ende sogar noch eine Spende fĂŒr das Hospiz hinÂterÂlasÂsen. Die SelbstÂverÂstĂ€ndÂlichÂkeit, mit der sein Umfeld ohne VerÂpflichÂtung VerÂantÂworÂtung ĂŒberÂnomÂmen hat, hat uns tief berĂŒhrt.
Ein afriÂkaÂniÂsches SprichÂwort sagt: âEs braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groĂÂzuÂzieÂhen.â Und manchmal tut auch am Ende des Lebens ein ganzes Dorf gutâŠ
Danke fĂŒr diese Erfahrung.
Wenn GemeinÂschaft trĂ€gt
Die Geschichte von Herrn W. erinnert uns daran, dass ZugeÂhöÂrigÂkeit viele Formen haben kann. Familie besteht nicht immer nur aus VerÂwandtÂschaft. Manchmal sind es NachÂbaÂrinÂnen und Nachbarn, Menschen aus einer KirÂchenÂgeÂmeinde, FreundÂschafÂten oder langÂjĂ€hÂrige WegÂbeÂgleiÂter, die dann da sind, wenn es darauf ankommt.
Auch unsere Arbeit im Hospiz Zum Guten Hirten lebt von einem solchen Netzwerk. Von MitÂarÂbeiÂtenÂden, EhrenÂamtÂliÂchen, ZugeÂhöÂriÂgen, UnterÂstĂŒtÂzeÂrinÂnen und UnterÂstĂŒtÂzern â und von Menschen aus unserer Region, die unsere HosÂpizÂarÂbeit mittragen.
Gemeinsam ermögÂliÂchen wir diese Begleitung
Unsere GĂ€ste und ihre ZugeÂhöÂriÂgen sollen bei uns Zeit, Ruhe, NĂ€he und menschÂliÂche BegleiÂtung erfahren können.
Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, diese Arbeit auch weiterhin möglich zu machen.



















