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Doch am Ende trug ihn ein ganzes Dorf

Screenshot 2026-09-21 082024

Manchmal zeigt sich erst dann, wenn es wirklich darauf ankommt, wie viele Ver­bin­dun­gen ein Mensch im Laufe seines Lebens geschaf­fen hat.

Im Hospiz Zum Guten Hirten erleben wir immer wieder, wie unter­schied­lich die letzten Lebens­wege unserer GĂ€ste aussehen. Manche werden von Familie begleitet, andere von Freun­din­nen und Freunden und manchmal entsteht Unter­stĂŒt­zung dort, wo wir sie zunĂ€chst gar nicht vermuten.

Die Geschichte von Herrn W. hat uns besonders berĂŒhrt. Sie erzĂ€hlt davon, was Gemein­schaft bedeuten kann, wenn Menschen Ver­ant­wor­tung fĂŒr­ein­an­der ĂŒber­neh­men frei­wil­lig, selbst­ver­stĂ€nd­lich und ohne große Worte.

Die Geschichte von Herrn W.

Herr W. kam alleine und bereits in einem sehr fort­ge­schrit­te­nen Stadium der Erkran­kung zu uns. Das Sprechen fiel ihm schwer und er war zeitweise nicht mehr ori­en­tiert. Er habe 10 Geschwis­ter, aber zu keinem mehr Kontakt. Er sei sozusagen das „schwarze Schaf der Familie“. Auch sonstige Verwandte gĂ€be es nicht.

Sein Zustand ließ erahnen, dass ihm das Leben nicht immer gut mit­ge­spielt hatte und mit Anfang 60 hĂ€tte er eigent­lich noch einige Zeit vor sich gehabt.  

Im Hospiz stellt sich schnell die Frage, welche Voll­mach­ten gibt es? Wer darf medi­zi­ni­sche Belange ent­schei­den, wenn es der Gast nicht mehr kann und es offen­sicht­lich kein Umfeld gibt? Sofort waren wir in Alarm­be­reit­schaft und die Tele­fon­num­mer des Betreu­ungs­ge­rich­tes wurde her­aus­ge­sucht. Doch plötzlich klingelte das Telefon und es meldete sich eine Nachbarin bei uns. Sie habe eine Vor­sor­ge­voll­macht und alle Papiere fĂŒr Herrn W. und kĂ€me am Nach­mit­tag vorbei. Und wer wĂŒrde sich um die Bestat­tung kĂŒmmern, wenn es soweit sein wĂŒrde? 

Ob es das Sozialamt ĂŒber­neh­men sollte, fragten wir. „Ach, das kriegen wir schon hin.“ Nun ja, dachten wir ĂŒber­rascht und waren etwas skeptisch. Schließ­lich ist der Kos­ten­fak­tor bei einer Bestat­tung nicht ganz uner­heb­lich. Doch es sollte nicht die letzte Über­ra­schung in diesen zwei Tagen Auf­ent­halt bei uns bleiben. Kurze Zeit spĂ€ter rief die Gemein­de­pas­to­rin an, um sich nach Herrn W. zu erkun­di­gen. Er habe Jahr­zehnte ehren­amt­lich den Gemein­de­brief aus­ge­tra­gen. Bei Wind und Wetter. 

Ob sie etwas fĂŒr ihn tun könne. Er lĂ€ge ihr doch sehr am Herzen. Auch der Orts­vor­ste­her meldetet sich bei uns und auch berich­tete davon, wie ein­ge­bun­den Herr W. in das Dorfleben sei. Ja, dem Alkohol habe er wohl manchmal zuge­spro­chen, aber er sei eben ein „Original“ und immer hilfs­be­reit und fleißig. Plötzlich zeigte sich, welch ein Netzwerk Herr W. wĂ€hrend seines Lebens um sich herum gesponnen hatte. Keines aus Mitleid, sondern eines aus Wert­schĂ€t­zung und Freundschaft.

Bereits zwei Tage nach seiner Aufnahme in unser Haus, verstarb Herr W. und es war tat­sĂ€ch­lich alles geregelt. Das Netz trug. Nicht nur orga­ni­sa­to­risch, auch emotional. Herr W. bekam eine wĂŒr­de­volle Bestat­tung, alle per­sön­li­chen Gegen­stĂ€nde wurden abgeholt und am Ende sogar noch eine Spende fĂŒr das Hospiz hin­ter­las­sen. Die Selbst­ver­stĂ€nd­lich­keit, mit der sein Umfeld ohne Ver­pflich­tung Ver­ant­wor­tung ĂŒber­nom­men hat, hat uns tief berĂŒhrt.

Ein afri­ka­ni­sches Sprich­wort sagt: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß­zu­zie­hen.“ Und manchmal tut auch am Ende des Lebens ein ganzes Dorf gut
 

Danke fĂŒr diese Erfahrung.

Wenn Gemein­schaft trÀgt

Die Geschichte von Herrn W. erinnert uns daran, dass Zuge­hö­rig­keit viele Formen haben kann. Familie besteht nicht immer nur aus Ver­wandt­schaft. Manchmal sind es Nach­ba­rin­nen und Nachbarn, Menschen aus einer Kir­chen­ge­meinde, Freund­schaf­ten oder lang­jÀh­rige Weg­be­glei­ter, die dann da sind, wenn es darauf ankommt.

Auch unsere Arbeit im Hospiz Zum Guten Hirten lebt von einem solchen Netzwerk. Von Mit­ar­bei­ten­den, Ehren­amt­li­chen, Zuge­hö­ri­gen, Unter­stĂŒt­ze­rin­nen und Unter­stĂŒt­zern – und von Menschen aus unserer Region, die unsere Hos­piz­ar­beit mittragen.

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Unsere GÀste und ihre Zuge­hö­ri­gen sollen bei uns Zeit, Ruhe, NÀhe und mensch­li­che Beglei­tung erfahren können.

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